Gegen das institutionalisierte Mittelalter
Ob das kürzlich von Michel Wolter
entfachte Fahnentheater darauf abzielte, ist unklar, auf jeden Fall
haben sich die Wellen der Empörung nach dem in letzter Zeit
nicht besonders populären Treiben am Hofe ganz schnell wieder
geglättet. Schade eigentlich, denn eine tiefgreifende
öffentliche Debatte über Sinn und Zweck des Herrscherhauses
hätte dem Land sicherlich nicht geschadet.
Generell scheint immer noch die
Auffassung weit verbreitet zu sein, dass der großherzogliche
Hof politisch kaum etwas zu melden hat und es deshalb keinen Grund
gibt, ihn abzuschaffen. Darüber hinaus sei er traditionell fest
in Luxemburg verankert und stelle einen äußerst effektiven
Touristenmagneten dar. Klar. Nun verlangt ja niemand, dass die
touristisch attraktiven Reste der Festungsanlagen mit der Monarchie
gleich mitgeschliffen werden sollen.
Vor allem aber gibt zu denken, dass der
Hof, obwohl er politisch eigentlich entmündigt ist, dennoch
Funktionen erfüllt, so zum Beispiel die symbolische
Repräsentation des Landes nach außen, die durchaus über
einen politischen Charakter verfügt. Je nachdem, wie diese
Repräsentation aussieht, kann sie durchaus einen gewissen
Einfluss auf die internationale Stellung des Landes ausüben.
Hier stellt sich nun die Frage, aus welchen Gründen die
Demokratie bei dieser politischen Funktion nicht gelten soll. Wieso
sollten die Bürger nicht das Recht haben, ihre symbolische
Vertretung zu wählen?
An dieser Stelle fährt der
engagierte „Monarchie-nicht-so-schlimm-Finder“ schweres Geschütz
auf: es heißt, man solle an der Monarchie festhalten,
schließlich habe sie sich stets bewährt. Inwiefern der
Hof sich bewährt hat, konnte man eindrucksvoll anhand der
Grünewald- und Kronjuwelen-Affären bewundern.
Manuel Huss
